Wilhelm-Hack-Museum: Bunte Wand und bunter Garten und dazwischen Deltabeben

Miró-Wand

Das Hack-Museum in Ludwigshafen stand schon länger auf meiner Liste. Es ist eines der nächstgelegen zeitgenössischen Museen mit ziemlich spannendem Konzept und Programm, und die von Jean Miró in den Siebzigern gestaltete Fassade ein weiteres Beispiel für Kunst im öffentlichen Raum – sozusagen eines der ersten Murals überhaupt in Deutschland. Jetzt habe ich es endlich einmal geschafft und sogar noch den letzten Tag der Ausstellung „Deltabeben“ mitgenommen – eine Schau mit regionaler zeitgenössischer Kunst.

Natürlich ist die Miró-Wand in dem Sinne kein „klassisches“ Mural, denn es handelt sich dabei um eine Fassade, die aus 7200 Kacheln zusammengesetzt wurde. Ihre Existenz verdankt sie einem Planungsfehler beim Museumsbau. Der musste um vier Meter erhöht werden, sodass unerwartet eine riesige Freifläche entstand. Wilhelm Hack wollte diese Fläche künstlerisch gestalten lassen und beauftragte Jean Miró, der sich für eine Keramikwand entschied und den Entwurf lieferte. Die Fliesen stellte der Keramiker Joan Gardy Artigas her, und so entstand schließlich auf der Fläche von 10 mal 55 Metern eines der größten Außenkunstwerke Europas. Das Wandbild selbst ist typisch für den klassischen Modernen Miró und hat sofort Wiedererkennungswert: die bunten Flächen, die Linienführung, die Punkte, die surrealistische Symbolik. Die Wand sticht auch heute noch im tristen Stadtbild von Ludwigshafen hervor, auch wenn sie durch die Luftverschmutzung angegriffen ist und wohl mittlerweile aus Kostengründen auch nicht mehr gereinigt wird.

Miró-Wand, Detail

Im Museum selbst schaffen wir heute nur die Sonderausstellung „Deltabeben“. Dabei lohnt es sich wohl, auch immer wieder durch die „Dauerausstellung“ zu gehen, die eigentlich gar keine ist. Das Museumskonzept sieht vor, dass im ständigen Wechsel immer andere Objekte aus dem umfangreichen Bestand gezeigt werden. Im Zentrum der Sammlung steht Kunst der Klassischen Moderne, die laut der Webseite des Museums „die Entwicklung der abstrakten Kunst von ihren Anfängen um das Jahr 1910 bis in die 1950er Jahre dokumentiert“. (http://www.wilhelmhack.museum). In den aktuellen Sonderausstellungen widmet sich das Hackmuseum der zeitgenössischen Kunst und fördert insbesondere auch regionale und weniger bekannte Künstler. Die Regionale „Deltabeben“ findet alle zwei Jahre abwechselnd in Mannheim und Ludwigshafen statt und zeigt die Bandbreite sämtlicher Kunstrichtungen von Künstlern aus der Region, unter anderem Jakob Broders „Gesang von Abschied und Neubeginn“ oder Konstantin Voits und Skafte Kuhns bunter Graffiti-Installation „Wir schreiben das Jahr Zweitausendvierzehn“. Voit ist selbst gerade im Ausstellungsraum und „verabschiedet“ sich von seinem Werk, das morgen schon abgebaut und überstrichen werden wird. Was bleibt, sind Fotos davon – so, wie es Street-Artisten ja oft geht.

Kontstantin Voit/Skafte Kuhn: Wir schreiben das Jahr Zweitausendvierzehn

Kontstantin Voit/Skafte Kuhn: Wir schreiben das Jahr Zweitausendvierzehn

Gleich um die Ecke wartet noch ein kleines, etwas verstecktes Paradies zwischen den Siebziger- und Achtzigerjahrebauten von Museum, Philharmonie und Agentur für Arbeit. Der hack-museumsgARTen wurde 2012 gegründet und ist eine bunte Urban-Gardening-Perle im grauen Beton- und Schnellstraßenmeer ringsum. Anders als bei anderen Urban-Gardening-Projekten ist hier die Verbindung zur Kunst offensichtlich. Die Kuratorin Theresia Kiefer ordnet den Garten in die Kategorie der „sozialen Plastik“ von Joseph Beuys ein (Quelle: Hackermagazin „spezial“ Hack-Museumsgarten). Trotzdem ist er ein offenes Projekt für alle. Am langen Kaffeetisch vor dem kleinen Kiosk kommt man schnell ins Gespräch, während das Kind sofort Spielgefährten gefunden hat. Der Museumsgarten auf dem Hans-Klüber-Platz soll intergenerativ und multikulturell sein, und das scheint auf den ersten Blick auch zu gelingen. Anders geht es in einer Stadt wie Ludwigshafen wahrscheinlich auch gar nicht. Die Beete werden von Privatpersonen, aber auch von Vereinen und Initiativen wie etwa dem Internationalen Frauentreff bewirtschaftet. Überall kann man kleine und größere Kunstwerke entdecken, am Zaun hängen Guerilla-Knitting-Objekte und viertelstündlich klingelt die Wasseruhr „Wasser für die Welt“, die Rudolf Graap 2013 gestaltete.

Wasseruhr

Rudolf Graap: Wasser für die Welt

Detail Museumsgarten

Auch der SWR hat übrigens einen kleinen Film über den hack-museumsgARTen gedreht.

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