Luigi Toscano: Heimat-Asyl

Alte Feuerwache

Luigi Toscano – ist das nicht der mit der Pizza? Entschuldigung, es klingt wie ein Vorurteil – italienisch = Pizza –, aber es ist nicht auszuschließen, dass er tatsächlich auch mit diesem Klischee spielt. Und mit der Pizza, genauer gesagt mit seinem Projekt „PizzArt“, ist mir der Mannheimer wirklich zuerst begegnet. Das war vor fast zwei Jahren bei der Neckarstädter Lichtmeile, als ich aus einem mobilen Steinofen eine sehr leckere Pizza erhielt, die in einem mit Schwarz-Weiß-Fotos bedruckten Karton serviert wurde.

Luigi Toscano ist aber noch viel mehr als ein künstlerisch veranlagter Pizzabäcker. War Dachdecker und angeblich beliebtester Türsteher Deutschlands, und hat, ernsthaft, das Fotografieren ziemlich spät in der Volkshochschule gelernt. Inzwischen ist er nicht nur ein renommierter Fotograf, der unter anderem den Comedian Bülent Ceylan begleitet, sondern auch Filmemacher. Zum zweiten Mal auf ihn gestoßen bin ich, als ich eher zufällig seinen Imagefilm „Wir sind Mannheim“ entdeckte, in dem er die Menschen der Stadt in den Mittelpunkt rückt.

Menschen und Gesichter sind vielleicht das, was Toscano immer am meisten interessiert hat und weiter interessiert. Sie stehen auch im Mittelpunkt seiner aktuellen Ausstellung, an der ich im Moment täglich vorbeikomme: „Heimat-Asyl“, großformatige Porträts an der Fassade der Alten Feuerwache. Es sind keine Schwarz-Weiß-Fotos, aber sie wirken so, weil der Künstler die Farben stark reduziert hat. „Seht uns“, scheinen diese Gesichter zu sagen, die einen hier direkt und frontal anblicken, „nehmt uns wahr“ – zu all den Menschen, die hier täglich in Straßenbahnen und Bussen, zu Fuß oder auf dem Rad vorbeikommen und kreuzen, an einem der zentralsten Punkte der Stadt. Und das ist es, was die Ausstellung bewirken soll: die Menschen, die hier niemand sehen will, ins Zentrum zu rücken und auch deutlich zu machen, dass jeder von ihnen eine Geschichte hat, ein Schicksal.

Es sind keine fröhlichen, offenen Gesichter, die man hier sieht. Toscano hat all diese Menschen im Mannheimer Asylbewerberheim fotografiert – einem Ort, der in der Stadt gerade wieder für rege Diskussionen sorgt. Wenn man einmal dort gewesen ist, in der Industriestraße, dann weiß man, dass das kein Ort zu Leben ist, zum Wohlfühlen. Und dass er sehr weit weg ist vom Leben der Stadt und ihren Menschen. Toscano will sie in die Mitte rücken, ins Bewusstsein, will sie sichtbar machen. Deshalb hängen seine großformatigen Fotos nicht in einem Ausstellungsraum, sondern an einer Fassade, im öffentlichen Raum der Stadt.

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