Archiv für den Monat: Juni 2015

Das Familienleben als Handbremse – Mary Trunk zeigt Künstlerinnen als Mütter und umgekehrt

Über berufstätige Mütter und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wurde schon viel gesagt und geschrieben. Dass Mütter arbeiten und auch jenseits ihrer Mutterschaft Erfüllung in etwas finden, ist in unserer Gesellschaft heute nichts wirklich Besonderes mehr – auch wenn es immer mal wieder infrage gestellt wird. Dass es eine Herausforderung ist, zwischen Familie und Arbeit zu balancieren (man muss ja nicht immer gleich von „Karriere“ sprechen), weiß jede Mutter, die diesen Weg für sich sucht. Sie ringt mit allgegenwärtiger Müdigkeit, ständigem Aushandeln an allen Fronten, dringenden Abgabeterminen und Bastelnachmittagen in der Kita, dem Gefühl, keiner von beiden Seiten hundertprozentig gerecht zu werden. Weniger wird aktuell vielleicht über die positiven Seiten dieses Balanceakts gesprochen: die Erfüllung und Zufriedenheit, die – nicht nur finanzielle – Unabhängigkeit der Frau und auch die gestärkte Rolle der Väter in den Familien.

Eine Berufsgruppe, in der die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie besondere Bedeutung hat, sind Künstlerinnen. In ihrem Fall bedeutet die berufliche Tätigkeit nicht nur Erfüllung, sondern mehr noch: Hingabe und Leidenschaft. Sie ist ein Teil der eigenen Persönlichkeit, des eigenen Ich. Die Arbeit von Künstlerinnen bedeutet phasenweises Abtauchen, Abgrenzung, innere Abwesenheit. Das scheint wenig vereinbar zu sein mit den Anforderungen des Familienlebens, wenn man ein oder mehrere Kinder aufzieht. Die US-amerikanische Filmemacherin Mary Trunk, selbst Mutter einer Tochter, hat vier Künstlerinnen begleitet, die zugleich Mütter sind. Herausgekommen ist ein absolut sehenswerter abendfüllender Dokumentarfilm mit dem sprechenden Titel „Lost in Living“.

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Nihilistisches Gelächter: Das „Neue EnsemblE“ liest Texte verstorbener Prominenter

Nachrufe erfreuen sich als kulturelles Genre einer steigenden Beliebtheit. Im Berliner „Tagesspiegel“ sind sie eine geistreiche, manchmal überraschende und immer lesenswerte Tradition, und seit mehreren Jahren gibt es die wunderbare Reihe „und die Welt steht still …“, in der Lieder und Geschichten zum Klingen gebracht werden, die sich Menschen in Hospizen vor ihrem Tod gewünscht haben. Auch das kleine Mannheimer Theater im Felina-Areal hat schon länger eine solche Reihe im Programm. „Abgang“ heißt sie und gibt in regelmäßigen Abständen – meistens monatlich – in den vergangenen Wochen verstorbenen Prominenten ein letztes Mal eine Stimme. Das Interessante daran ist die kurze Frist der Planung, die damit einhergehende Spontaneität und unvorhersehbare Mischung. Tatsächlich bestimmen Zufall und Schicksal in nicht unerheblichem Maß das Programm einer jeden „Abgang“-Lesung.

Friedhof am Strand

Am Ende bleibt das Meer – verfallener Friedhof auf Fuerteventura

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