Archiv für den Monat: September 2014

Ein Teil von Hamburg: OZ. Ein Nachruf

OZ buntes Grafitti

„OZ Graffiti DSCF5689“ von Martina Nolte – Eigenes Werk. Quelle: Wikimedia Commons.*

Vor vielen Jahren habe ich mal eine Zeitlang in Hamburg gelebt, und ein bisschen hängt mein Herz immer noch an der Hansestadt mit ihrem rauen, nordischen Charme. Ein Teil „meines“ Hamburgs waren immer die Tags von OZ, einem der bekanntesten Sprayer, der sich kreuz und quer über die ganze Stadt verteilt verewigt hat. Wenn ich mit der S-Bahn oder mit dem Rad durch die Stadt fuhr, winkte mir das kleine, einfache und doch irgendwie schöne, unverwechselbare Kürzel von Hauswänden, Mauern oder Stromkästen zu. Manchmal war es eine ganze, beinahe dadaistisch anmutende Reihe. OZ OZ OZ OZ OZ OZ … Es war immer wie ein kleines, fröhliches Augenzwinkern, das mir sagte: Nimm alles nicht so ernst. Die Welt ist trotzdem bunt. Der Tag ist für mich und für viele andere untrennbar mit der Stadt Hamburg verwurzelt. Einfach nur ein Tag – was soll daran jetzt besonders sein? Nun, das Kürzel ist eben ein bisschen oder sogar viel mehr als das. Es ist ein Markenzeichen, das einfach überall ist, nicht wegzubekommen, und damit auch ziemlich viele Leute ziemlich geärgert hat. Irgendjemand will das gezählt haben und kommt auf mehr als 120.000 Wiederholungen in der ganzen Stadt. Weiterlesen

World Wide Me: Theaterfestival Schwindelfrei

„We think about death.“ Die beiden Frauen stehen provozierend nah und frontal vor dem Publikum, die eine mit einem permanenten, festgefroren wirkenden Dauerlächeln, die andere mit einem ebenso permanent ernsten Gesichtsausdruck. Ihren ersten Satz lassen sie hart und trocken in die vorherige Stille fallen. Mit ihren nächsten Sätzen und Handlungen nehmen sie die Zuschauer langsam mit in ihr Stück, ihre zwanzigminütige Performance über den Tod und seine mediale Inszenierung. Dabei ist alles gar nicht so eindeutig und einfach, wie es im ersten Moment scheint. Es geht um Kriegsschauplätze und Kriegsberichterstattung und dabei wird nichts ausgelassen, vom Libanon folgen wir den Schauspielerinnen über Gaza in den Sudan und bis nach Vietnam. Weiterlesen

Vom Suchen und Finden, vom Nichtsuchen und doch Finden und manchmal auch vom Suchen und Nichtfinden

„Der wahre Sinn der Kunst liegt nicht darin, schöne Objekte zu schaffen. Es ist vielmehr eine Methode, um zu verstehen. Ein Weg, die Welt zu durchdringen und den eigenen Platz zu finden.“ (Paul Auster)

Strandgut

Ich liebe Strandwanderungen – an der Flutlinie entlanglaufen, den Blick im Wechsel zwischen dem weiten Horizont und dem Boden vor meinen Füßen schweifen lassen. Jede Strandlandschaft ist anders, und immer wieder gibt es etwas zu entdecken: kleine Fundstücke, Skurriles, Weggeworfenes und wieder Angespültes, wunderschöne, perfekte Formen, handschmeichelnde, von den Wellen polierte Oberflächen oder raue, gebrochene, unverständliche Strukturen. Muscheln, weichgeschliffene Glasscherben, ein verlassener Krebspanzer, ein seltsam geformtes Stücke Holz. Wer Strandgut finden will, sollte nicht zu besessen suchen – die Dinge kommen ganz von alleine zu einem, wenn man sich treiben lässt und die Augen offenhält. Weiterlesen

Wilhelm-Hack-Museum: Bunte Wand und bunter Garten und dazwischen Deltabeben

Miró-Wand

Das Hack-Museum in Ludwigshafen stand schon länger auf meiner Liste. Es ist eines der nächstgelegen zeitgenössischen Museen mit ziemlich spannendem Konzept und Programm, und die von Jean Miró in den Siebzigern gestaltete Fassade ein weiteres Beispiel für Kunst im öffentlichen Raum – sozusagen eines der ersten Murals überhaupt in Deutschland. Jetzt habe ich es endlich einmal geschafft und sogar noch den letzten Tag der Ausstellung „Deltabeben“ mitgenommen – eine Schau mit regionaler zeitgenössischer Kunst. Weiterlesen