Archiv der Kategorie: Kunst

Im Großstadtdschungel: Kunst unter der Kurpfalzbrücke

Unterführungen sind die Unorte der Städte. Sie sind dunkel, dreckig und stinken. Niemand benutzt sie gerne. Nun gibt es in Mannheim eine Vielzahl von alten Bausünden in der Straßenverkehrsführung und in der Anlage von Rad- wie Fußgängerwegen. Die Stadt ist, leider muss man es sagen, in ihrer heutigen Gestaltung aus überkommener Zeit für Autos angelegt. Unterführungen sollten das, was über Tage nicht nachhaltig geregelt wurde, unterirdisch vereinfachen. Eine zentrale Wegeführung ist die des Radweges am Neckar entlang, die an der Kurpfalzbrücke ein 40 Meter langes Stück unter der Straße hindurchführt. Um die Unterführung wenigstens etwas attraktiver zu gestalten, hat sich die Stadt nun ein paar Dinge einfallen lassen. Neben einer neuen LED-Beleuchtung und Spiegeln, die für mehr Sicherheit sorgen sollen, wurde der Künstler Benjamin Burkard beauftragt, die vierzig Meter lange Fliesenwand zu bemalen. Er schuf ein breites, zwischen Realismus und Fantastik changierendes Mensch-Tier-Panorama unter dem Titel „Systema Naturae“.

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Winterliche Traumzeit auf dem Schauinsland: Die Holzskulpturen von Thomas Rees

In Freiburg ist es Frühling. Die Bäume blühen und beim Passieren der Plätze in der Innenstadt steigt die Versuchung, sich schon jetzt draußen vor einem Café an den Tisch zu setzen. Nur knapp zwanzig Minuten Autofahrt später befinden wir uns in einer anderen Jahreszeit. Der Schauinsland, der Freiburger Hausberg im Schwarzwald, ist tief verschneit. Die Skilifte sind gut gefüllt, auf den Pisten tummeln sich glückliche Wintersportler, auf dem Rodelhang ein paar hundert Meter weiter herrscht Hochbetrieb. Hält man sich an der Bergstation links, trifft man bald auf den Wanderweg zum Gipfel. Hier beginnt auch der Skulpturenpfad, der die Wanderer bis zum Schauinslandturm oben auf dem Berg begleitet. Zwei der größten und beeindruckendsten von ihnen stammen von dem Freiburger Künstler Thomas Rees.

Windbohrer Weiterlesen

Von tanzenden Robotern und tanzenden Menschen. Ein Besuch im ZKM Karlsruhe

Was macht man an einem grauen, verregneten Feiertag, an dem der Schnee, der eigentlich da sein sollte, ausfällt und es draußen einfach keinen Spaß macht? Wir sind zum Tag der offenen Tür ins Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe gefahren. In dem riesigen ehemaligen Industrieareal, das seit über zwanzig Jahren Medienkunst präsentiert und fördert, haben wir mit Flüchtlingen getanzt, eigene Kunstwerke gestaltet und über neue Technologien gestaunt.

Das ZKM in Karlsruhe

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Von Mythen, Elementen und Kindern: Ein Besuch im Hans Arp Museum Rolandseck

Es ist der Tag nach den Anschlägen auf Paris, ein ungewöhnlich sonniger, warmer Herbsttag. Das Rheintal zeigt sich von seiner idyllischen Seite. Es ist friedlich hier, sauber, ruhig und schön. In unseren Hinterköpfen bleiben trotzdem die Nachrichten. Und dann dieser Satz, im Museumssaal hoch oben über dem Fluss: „Wir vergaßen auf Augenblicke die qualmende Sinnlosigkeit brütender Trümmerwelt des Krieges.“ Die Kunst hilft, die Realität zu bewältigen, davon war der Bildhauer, Maler und Dichter Hans Arp überzeugt. Und seine Realität war oft eine grausame, feindliche. Unter den Nationalsozialisten als „entarteter Künstler“ verfemt und verfolgt, lebte er viele Jahre heimatlos im Exil. Noch während des Krieges verlor er seine geliebte Frau Sophie Taeuber-Arp durch einen tragischen Unfall – ein Schock und ein Verlust, von dem er sich lange nicht erholte.

"Tanzgeschmeide" mit Blick auf den Rhein

„Tanzgeschmeide“ mit Blick auf den Rhein

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Das Familienleben als Handbremse – Mary Trunk zeigt Künstlerinnen als Mütter und umgekehrt

Über berufstätige Mütter und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wurde schon viel gesagt und geschrieben. Dass Mütter arbeiten und auch jenseits ihrer Mutterschaft Erfüllung in etwas finden, ist in unserer Gesellschaft heute nichts wirklich Besonderes mehr – auch wenn es immer mal wieder infrage gestellt wird. Dass es eine Herausforderung ist, zwischen Familie und Arbeit zu balancieren (man muss ja nicht immer gleich von „Karriere“ sprechen), weiß jede Mutter, die diesen Weg für sich sucht. Sie ringt mit allgegenwärtiger Müdigkeit, ständigem Aushandeln an allen Fronten, dringenden Abgabeterminen und Bastelnachmittagen in der Kita, dem Gefühl, keiner von beiden Seiten hundertprozentig gerecht zu werden. Weniger wird aktuell vielleicht über die positiven Seiten dieses Balanceakts gesprochen: die Erfüllung und Zufriedenheit, die – nicht nur finanzielle – Unabhängigkeit der Frau und auch die gestärkte Rolle der Väter in den Familien.

Eine Berufsgruppe, in der die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie besondere Bedeutung hat, sind Künstlerinnen. In ihrem Fall bedeutet die berufliche Tätigkeit nicht nur Erfüllung, sondern mehr noch: Hingabe und Leidenschaft. Sie ist ein Teil der eigenen Persönlichkeit, des eigenen Ich. Die Arbeit von Künstlerinnen bedeutet phasenweises Abtauchen, Abgrenzung, innere Abwesenheit. Das scheint wenig vereinbar zu sein mit den Anforderungen des Familienlebens, wenn man ein oder mehrere Kinder aufzieht. Die US-amerikanische Filmemacherin Mary Trunk, selbst Mutter einer Tochter, hat vier Künstlerinnen begleitet, die zugleich Mütter sind. Herausgekommen ist ein absolut sehenswerter abendfüllender Dokumentarfilm mit dem sprechenden Titel „Lost in Living“.

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Zeitloser Zauber im Jugenstilambiente: „Nordic Lights and Sounds“ im Herschelbad

Thomas Siffling und Alexandra Lehmler sind derzeit aus der regionalen Jazz-Szene nicht mehr wegzudenken. Jetzt haben der Trompeter und Produzent und die Klarinettistin und Saxofonistin, die im letzten Jahr mit dem Jazzpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde, eine besondere und etwas andere Veranstaltung bereichert: Mit ihren Klängen untermalten sie im Jugendstilambiente des Mannheimer Herschelbads die Lichtinstallationen von Benjamin Jantzen und nicht zuletzt die beeindruckende Performance der „Synchronixen“. Unter dem Motto „Nordic Lights and Sounds“ verwob sich alles zu einem träumerisch-sphärischen Ganzen, das einen für eine gute Stunde unter dem Mannheimer Nachthimmel davontragen konnte. Musikalisch unterstützt wurden Thomas Siffling und Alexandra Lehmler von Alex Gunia an Gitarre und Computer. Dazu brachte Benjamin Jantzen passende Lichteffekte in die hohe Frauenschwimmhalle des Herschelbads.

Northern Lights in der Frauenschwimmhalle

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Die Stille nach dem Presslufthammer: Ólafur Elíasson in der Mannheimer Kunsthalle

Your trust

Foto: © Kunsthalle Mannheim / Cem Yücetas

Es hat etwas Seltsames, wenn man zurzeit die Mannheimer Kunsthalle besucht – vor allem an einem normalen Donnerstagvormittag, wenn man in den sehr leeren Räumen allerhöchstens mal auf eine Schulklasse trifft. Draußen wummern die Presslufthämmer in der Baugrube für den viel diskutierten Neubau der Kunsthalle. Drinnen im alten Jugendstilbau herrscht Stille wie in einer anderen Welt. In der hohen Eingangshalle, die den Mittelpunkt dieses Museumsteils bildet, hängt einem überdimensionalen Kronleuchter gleich die Installation „Starbrick“ von Ólafur Elíasson, welche die Kunsthalle im letzten Jahre erworben hat. Jetzt wird Elíasson, der mit Fug und Recht als einer der bedeutendsten zeitgenössischen bildenden Künstler bezeichnet werden kann, eine aufwändig beworbene, im Umfang allerdings verhältnismäßig kleine Ausstellung gewidmet. Weiterlesen

Before I Die … Eine Kunstaktion geht um die Welt

Es ist immer noch November. In der Stadt sind schon die Buden für den Weihnachtsmarkt aufgebaut, aber noch sind sie geschlossen. Auf dem Platz, den wir jeden Tag überqueren, steht schon die große Tanne, aber bis jetzt laufen wir noch daran vorbei, ohne sie wirklich zu bemerken, weil sie noch nicht geschmückt ist. Ich habe ein ambivalentes Verhältnis zu dieser Zeit. Auf der einen Seite fällt mir die Umstellung auf die dunkle Jahreszeit schwer: das fehlende Licht, die Kälte, das Grau. Auf der anderen Seite bin ich noch nicht bereit für Schnee und Weihnachtsglitzer, Kerzen und Kitsch. Das muss noch warten. Und gerade das mag ich an dieser Zeit: das Abwarten, das Aushalten, das Nochnicht.

Before-I-Die-Savannah-by-Trevor-Coe

Copyright: Trevor Coe – Savannah, GA. Quelle: beforeidie.cc

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Zu schön, um daran vorbeizulaufen: Wollkunst an der Kurpfalzbrücke

Wenn man an einem grauen Novembernachmittag unterwegs ist und einem auf einmal unerwartet fröhliche bunte Farben und Muster in den Blick fallen, muss man einfach innehalten und stehen bleiben. Das ist mir gestern passiert, als ich auf dem Heimweg aus der Stadt war. Die gesamte neckarabwärts gerichtete Seite der Kurpfalzbrücke war auf einmal eingehüllt von knallbunten, wollenen gehäkelten und gestrickten Kunstwerken.

Schmetterling

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