Archiv der Kategorie: Musik

Tanz der Klänge und Worte: Mine in Mannheim

Ich habe einen Ohrwurm. Er heißt „Essig auf Zucker“ und befindet sich auf dem neuen Album „Das Ziel ist im Weg“ von Mine. Die Songwriterin aus Mainz kam zum Release auch wieder nach Mannheim. Und das war in mehrerer Hinsicht ein besonderer Abend, denn schließlich ist Mannheim so etwas wie eine der Heimatstädte von Mine, die hier an der Popakademie studiert hat. Außerdem hat sie für das hiesige Konzert die Gebärdensprachendolmetscherin Svenja Markert mitgebracht, die mit ihrer ausdrucksvollen Performance am Bühnenrand das Konzert auf wundervolle Weise begleitete. Weiterlesen

Finnischer Tango im Pfälzer Wald: „Bändi“ am Badehaisl

Und – bumm – da war er: der Herbst. Eben noch haben wir unter der Hitzewelle gepustet und uns gefragt, wie die Wohnung jemals wieder abkühlen sollte und man nachts wieder schlafen könnte. Eben noch haben wir am Abend barfuß mit einem Glas Wein vor der Ferienwohnung gesessen und auf das traumhafte Alpenpanorama geschaut. Eben noch haben die Kinder selbstvergessen am Bach neben dem Grillplatz gespielt. Eben noch haben wir unsere Runden durch das herrlich kühle Wasser des Bergsees gezogen. Und von einem Tag auf den anderen ist der Herbst da – Regen, Kühle, dunklere Abende und die andere Luft, trockene Blätter im Park. Einen letzten Hauch von Sommer oder zumindest Spätsommer sollte das Creole-Weltmusikwochenende nach Wachenheim an der Weinstraße bringen. Im Badehaisl am kleinen Teich unterhalb der Wachtenburg war das Wetter zwar gnädig, der Herbst aber schon ordentlich anwesend. Das wieder passte hervorragend zu „Bändi“, die uns mit finnischem Tango auf die Melancholie der kommenden Zeit einstimmten. Weiterlesen

(Noch) Keine Fête in Mannheim, dafür aber Musikwelten auf dem Neumarkt

Warum gibt es in Mannheim eigentlich keine Fête de la Musique? In diesem Jahr am 21. Juni habe ich mich das wieder gefragt und mich an die „Fête“ in den letzten Jahren in Berlin erinnert. Immerhin gibt es diese musikalische Feier des Sommeranfangs auch in Deutschland mittlerweile nicht nur im gehypt-gehassten Berlin, sondern auch in vielen anderen Städten. Und Mannheim ist immerhin eine der Musikstädte des Landes – und möchte es auch sein. Seit Ende letzten Jahres darf die Stadt sich UNESCO City of Music nennen, und Frankreich, wo die Idee zur „Fête“ geboren wurde, ist kaum eine Autostunde entfernt. Zwischen Musikhochschule und Popakademie, Alter Feuerwache und Capitol, Jungbusch und Neckarstadt gibt es einiges an Potenzial und viele gute Ideen. Warum also ist es hier nicht möglich – ein stadtumfassendes Straßenmusikfestival mit Freiraum für einen Tag für jeden, der seine Musik öffentlich präsentieren möchte? Über die ganze Stadt verteilte kleine Bühnen (dazu gehört auch jede Straßenecke, an die sich Musizierwillige stellen dürfen), zwischen denen es sich an einem der ersten lauen Sommerabende flanieren lässt?
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Zeitloser Zauber im Jugenstilambiente: „Nordic Lights and Sounds“ im Herschelbad

Thomas Siffling und Alexandra Lehmler sind derzeit aus der regionalen Jazz-Szene nicht mehr wegzudenken. Jetzt haben der Trompeter und Produzent und die Klarinettistin und Saxofonistin, die im letzten Jahr mit dem Jazzpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde, eine besondere und etwas andere Veranstaltung bereichert: Mit ihren Klängen untermalten sie im Jugendstilambiente des Mannheimer Herschelbads die Lichtinstallationen von Benjamin Jantzen und nicht zuletzt die beeindruckende Performance der „Synchronixen“. Unter dem Motto „Nordic Lights and Sounds“ verwob sich alles zu einem träumerisch-sphärischen Ganzen, das einen für eine gute Stunde unter dem Mannheimer Nachthimmel davontragen konnte. Musikalisch unterstützt wurden Thomas Siffling und Alexandra Lehmler von Alex Gunia an Gitarre und Computer. Dazu brachte Benjamin Jantzen passende Lichteffekte in die hohe Frauenschwimmhalle des Herschelbads.

Northern Lights in der Frauenschwimmhalle

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Alter Sternenglanz und neue Frische: Morcheeba und My Brightest Diamond

Kaum zu glauben, aber neulich haben Morcheeba doch tatsächlich ihr einziges Deutschlandkonzert in diesem Jahr direkt vor meiner Haustür gegeben. Da musste ich natürlich hingehen. Das Erlebnis war dann allerdings ein bisschen ambivalent: Gegen die musikalische Qualität und die weiterhin bezaubernde Stimme von Sängerin Skye Edwards ist überhaupt nichts einzuwenden. Dennoch blieb eher das Gefühl einer Reise in die Vergangenheit, einer guten alten sicherlich, in der man sich ohne Zweifel wohlfühlt. Ganz anders das Hörerlebnis der neuen Platte von My Brightest Diamond, die innovativ, spannend und lebendig in die Ohren geht, Lust auf mehr macht und zugleich auf positive Weise gefälliger ist als ihre Vorgänger.

Morcheeba

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Der wunderbare Wanderzirkus: Der Film zum 3000Grad-Festival

Eine meiner Lieblingsbands der letzten Jahre ist das Skazka Orchestra aus Berlin. Die russisch-deutsche Formation um die Gründer Artur Gorlatschov (Gitarre), Valentin Butt (Akkordeon) und Elena Shams (Schlagzeug) spielen einen wilden Mix aus Ska, Folk, Jazz, Funk und Techno, bei dem einfach niemand stillsitzen kann. Es ist ja immer ein kleines Phänomen, wenn Musiker, die ihre Texte nicht auf Deutsch oder Englisch verfassen, im deutschen Sprachraum erfolgreich sind. Skazka singen überwiegend auf Russisch und dieser Einschlag zeigt sich auch in den Märchenmotiven, die in ihren Titeln und Videos eine große Rolle spielen. Aus der Szene rund um Berlin sind die Skazkas jedenfalls nicht mehr wegzudenken. Und wenn man mal ein Konzert besucht, sei man vorgewarnt: Ehe man es sich versieht, ist die Nacht durchtanzt. Dabei sind die einzelnen Mitglieder nicht nur verrückte Spielkinder, sondern – sozusagen im Paralleluniversum – klassisch ausgebildete Musiker, die sich auch im Zusammenspiel mit den Berliner Philharmonikern oder der WDR Big Band sehen lassen können. Und so, wie sie sind, passen die mittlerweile fünf Köpfe von Skazka ganz wunderbar zum 3000Grad Festival, auf dem sie regelmäßig auftreten. Weiterlesen

KLANK in der Stadt / Netzwerk Neue Musik mobil

Ensemble KLANK
Gestern war mal wieder so ein Nachmittag, an dem sich alles Unvorhergesehene knäulte und irgendwie erledigt werden wollte – ein später Arzttermin, den ich zusammen mit einem müde gespielten Kind nach der Kita absolvieren musste, ein Buch, das dringend vom Dealer meines Vertrauens abgeholt werden sollte, und etwas zum Abendessen wollte auch noch organisiert werden. Die Stadt war voll und ich versuchte, mein quengelndes Kind bei Laune zu halten und im Kopf zu sortieren, welche Prioritäten zu setzen waren. Und dann waren da auf einmal diese Klänge, ein paar rote Luftballons, und wie durch Zauberhand waren wir aus dem Trott herausgerissen und durften einige Minuten staunen. Weiterlesen

Neuentdeckt und wiederentdeckt: Ganes und Hubert von Goisern

Ganes

Quelle: ganes-music.com

Heute verrate ich ein peinliches Detail aus meiner Vergangenheit: Ich habe mal Akkordeon gespielt. Damals gab es noch keinen Tango-Hype und das Akkordeon galt vor allem als „Schifferklavier“, auf dem man Volkslieder und Schlager spielte. Nicht besonders cool, vor allem nicht als Teenager. Aber: Es gab Hubert von Goisern, und der hat mich ein bisschen mit meinem Instrument versöhnt. Er war der erste Künstler, den ich kannte, der das Akkordeon und die Volksmusik neu interpretiert und ein Crossover mit Rock- und Popmusik, später dann mit Weltmusik gewagt hat – ähnlich wie es Nigel Kennedy ungefähr zur selben Zeit als Geiger im Bereich der klassischen Musik gemacht hat. Weiterlesen

Schlechte Nachricht oder Neuanfang? Aufgang/Francesco Tristano

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle irgendwann mal über „Aufgang“ schreiben, eine Band, die auf einmalige Weise Klassik und Techno verbindet – und zwar so, dass sie nicht nur in Klubs und auf Festivals auftritt, sondern die Leute zu ihrer Musik tatsächlich tanzen. Ich habe sie erst im letzten Jahr so richtig für mich entdeckt, als sie unter anderem auch in Mannheim ihr zweites Album „Istiklaliya“ vorgestellt haben. Und so etwas hat es in dieser Form zuvor wirklich noch nicht gegeben: Drei klassisch ausgebildete Musiker – zwei Pianisten und ein Drummer – spielen in wahnsinnigem Tempo einen anarchischen Mix aus Klassik und Elektro, werden zum Bachfestival in Leipzig ebenso wie zum Sónar nach Barcelona eingeladen. Man kann das „Crossover“ nennen, eigentlich aber – so hat man den Eindruck – leben diese Jungs einfach nur ihre Musik, jenseits von Genres und Kategorien. Und machen dabei richtig Spaß. Weiterlesen