Archiv der Kategorie: Streetart

Stadt.Wand.Kunst – Die Ausstellung

Seit zwei Jahren unterstützt eine Kooperation von mehreren Mannheimer Institutionen mit dem Projekt „Stadt.Wand.Kunst“ die Verschönerung der Innenstadt mit Streetart internationaler Künstler. Insgesamt acht ganz unterschiedliche Murals prangen schon über das Stadtgebiet verteilt, vor allem aber in der Innenstadt, an vormals öden grauen Häuserwänden. Die Werke variieren zwischen zart-poetisch, abstrakt oder comicartig und knallig-bunt. Über die ersten Werke von Herakut und Aske habe ich damals schon gebloggt. In den letzten Wochen wurden die „Freiheitstesterin“ vom Mannheimer Grafiker Mehrdad Zaeri und „Europe“ von BEZT fertiggestellt. Es macht Spaß, die Kunst am Bau im Stadtbild zu entdecken. Wem die Tour zu aufwändig ist, der kann sich im August leicht einen Überblick verschaffen, denn die am Projekt beteiligte Alte Feuerwache zeigt in einer Ausstellung Fotos aller Murals und ihrer Entstehungsprozesse.

Freiheitstesterin

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Im Großstadtdschungel: Kunst unter der Kurpfalzbrücke

Unterführungen sind die Unorte der Städte. Sie sind dunkel, dreckig und stinken. Niemand benutzt sie gerne. Nun gibt es in Mannheim eine Vielzahl von alten Bausünden in der Straßenverkehrsführung und in der Anlage von Rad- wie Fußgängerwegen. Die Stadt ist, leider muss man es sagen, in ihrer heutigen Gestaltung aus überkommener Zeit für Autos angelegt. Unterführungen sollten das, was über Tage nicht nachhaltig geregelt wurde, unterirdisch vereinfachen. Eine zentrale Wegeführung ist die des Radweges am Neckar entlang, die an der Kurpfalzbrücke ein 40 Meter langes Stück unter der Straße hindurchführt. Um die Unterführung wenigstens etwas attraktiver zu gestalten, hat sich die Stadt nun ein paar Dinge einfallen lassen. Neben einer neuen LED-Beleuchtung und Spiegeln, die für mehr Sicherheit sorgen sollen, wurde der Künstler Benjamin Burkard beauftragt, die vierzig Meter lange Fliesenwand zu bemalen. Er schuf ein breites, zwischen Realismus und Fantastik changierendes Mensch-Tier-Panorama unter dem Titel „Systema Naturae“.

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Giraffen, Straßenfeger und ein Glockenspiel: Das Straßentheaterfestival in Ludwigshafen

Müde schieben die beiden Straßenfeger ihre Besen vor sich her. Sie foppen einander ein wenig, vielleicht aus Langeweile, dann wird aus ihrer Mülltonne eine wandelbare Requisite, ihre Besen werden zu Vogelschwingen und sie selbst schließlich zu römischer Wagenlenkerin und Zugpferd – in Zeitlupe, wohlgemerkt. Das Duo Gi-Jo aus den Niederlanden und aus Österreich begeistert beim 17. Straßentheaterfestival in Ludwigshafen mit einer Mischung aus Clownerie, Akrobatik und Illusion durch eine schier unendlich wandelbare Requisite. Dieser Mix aus körperlichem Können, Humor und Fantasie begeistert das breit gefächerte Publikum am Rathausplatz. Das renommierte Festival in der Metropole am Rhein ist bekannt für die große Kunst internationaler Ensembles aus den unterschiedlichsten Genres von Tanz, Pantomime über Theater, Illusion bis zu Musik und Walk-Acts.

Cia La Tal Pantomime

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Apfelbäumchen an der Brandwand

Ich war endlich mal wieder in Berlin, und da musste ich natürlich auch zu einem der neuesten Werke von Herakut pilgern. Schon länger bin ich ja ein Fan des Streetart-Duos, das seine träumerisch-zarten Bilder vorwiegend als riesige Murals überall in der Welt hinterlässt. (Mehr dazu hier) Im letzten Jahr entstand an einer Brandwand im Stadtteil Prenzlauer Berg das hoffnungsvolle Bild einer Mutter mit zwei Kindern, die als Apfelbäumchen stilisiert wurden. Dazu schrieben Herakut den berühmten, Martin Luther zugeschriebenen Satz: „Wenn ich wüsste, dass die Welt morgen untergeht, würde ich heute einen Apfelbaum pflanzen.“ Das Duo hatte zuvor auf seiner Facebook-Seite den Aufruf gestartet, den Satz in andere Sprachen zu übersetzen. Es bekam erstaunlich viele Antworten, sodass die auf dem fertigen Mural nachzulesenden 20 Versionen nur eine Auswahl darstellen.

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Unzählige Kraniche für eine buntere Welt oder Die Kunst der Mademoiselle Maurice

Ach, es gibt so viele schöne Dinge auf der Welt! Und wenn man ein bisschen stöbert, fragt man sich manchmal, warum es überhaupt noch graue Hauswände gibt. Gerade bin ich eher zufällig über die Pace-bunten Papierkunstwerke der französischen Streetart-Künstlerin Mademoiselle Maurice gestolpert. In der Art des klassischen japanischen Origami faltet sie kleine einzelne Objekte aus Papier und bringt diese als Gesamtkunstwerk an Brandmauern, auf Treppen oder in Unterführungen an. Begonnen hat sie in Paris, mittlerweile verbreitet sie ihre äußerst vergängliche Kunst auf der ganzen Welt.

Copyright: Mademoiselle Maurice

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Before I Die … Eine Kunstaktion geht um die Welt

Es ist immer noch November. In der Stadt sind schon die Buden für den Weihnachtsmarkt aufgebaut, aber noch sind sie geschlossen. Auf dem Platz, den wir jeden Tag überqueren, steht schon die große Tanne, aber bis jetzt laufen wir noch daran vorbei, ohne sie wirklich zu bemerken, weil sie noch nicht geschmückt ist. Ich habe ein ambivalentes Verhältnis zu dieser Zeit. Auf der einen Seite fällt mir die Umstellung auf die dunkle Jahreszeit schwer: das fehlende Licht, die Kälte, das Grau. Auf der anderen Seite bin ich noch nicht bereit für Schnee und Weihnachtsglitzer, Kerzen und Kitsch. Das muss noch warten. Und gerade das mag ich an dieser Zeit: das Abwarten, das Aushalten, das Nochnicht.

Before-I-Die-Savannah-by-Trevor-Coe

Copyright: Trevor Coe – Savannah, GA. Quelle: beforeidie.cc

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Zu schön, um daran vorbeizulaufen: Wollkunst an der Kurpfalzbrücke

Wenn man an einem grauen Novembernachmittag unterwegs ist und einem auf einmal unerwartet fröhliche bunte Farben und Muster in den Blick fallen, muss man einfach innehalten und stehen bleiben. Das ist mir gestern passiert, als ich auf dem Heimweg aus der Stadt war. Die gesamte neckarabwärts gerichtete Seite der Kurpfalzbrücke war auf einmal eingehüllt von knallbunten, wollenen gehäkelten und gestrickten Kunstwerken.

Schmetterling

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