Archiv der Kategorie: Uncategorized

Vom dunklen Paradies zum Licht der Vernunft: Das mittelalterliche Klosterensemble in Maulbronn

Im Paradies ist es kalt und dunkel. An diesem Februartag sind wir fast alleine hier und gewinnen das Gefühl, in eine andere, ferne Welt einzutauchen. In dem riesigen Komplex des Klosters Maulbronn kann man sich verlieren, als bewege man sich in der Kulisse für Umberto Ecos „Der Name der Rose“, und tatsächlich wurden hier Teile der Romanverfilmung gedreht. Dem gerade verstorbenen großen Literaturwissenschaftler, Philosophen und Autor zu Ehren haben wir einmal diese Zeitreise unternommen und sogar am Ende ein paar Gedanken für die Gegenwart gewonnen. Die weitläufige Klosteranlage umfasst neben der Kirche mit Kreuzgang und Garten viele gut erhaltene Nebengebäude um einen weiten Platz und vermittelt eindrücklich die mittelalterlichen Gegebenheiten. Sie gilt als am vollständigsten erhaltene mittelalterliche Klosteranlage nördlich der Alpen und hat es so auf die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes geschafft.

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Nihilistisches Gelächter: Das „Neue EnsemblE“ liest Texte verstorbener Prominenter

Nachrufe erfreuen sich als kulturelles Genre einer steigenden Beliebtheit. Im Berliner „Tagesspiegel“ sind sie eine geistreiche, manchmal überraschende und immer lesenswerte Tradition, und seit mehreren Jahren gibt es die wunderbare Reihe „und die Welt steht still …“, in der Lieder und Geschichten zum Klingen gebracht werden, die sich Menschen in Hospizen vor ihrem Tod gewünscht haben. Auch das kleine Mannheimer Theater im Felina-Areal hat schon länger eine solche Reihe im Programm. „Abgang“ heißt sie und gibt in regelmäßigen Abständen – meistens monatlich – in den vergangenen Wochen verstorbenen Prominenten ein letztes Mal eine Stimme. Das Interessante daran ist die kurze Frist der Planung, die damit einhergehende Spontaneität und unvorhersehbare Mischung. Tatsächlich bestimmen Zufall und Schicksal in nicht unerheblichem Maß das Programm einer jeden „Abgang“-Lesung.

Friedhof am Strand

Am Ende bleibt das Meer – verfallener Friedhof auf Fuerteventura

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Nachbarschaft geht durch den Magen: Das Kulturkochbuch „Intecreative“

Heute mache ich mal einen kleinen Abstecher in den Kochbuch-Sektor. Das hat damit zu tun, dass mich in letzter Zeit die Flüchtlingsthematik in Deutschland sehr beschäftigt. Ich glaube, dass sie uns in Zukunft noch mehr beschäftigen wird. Pro Monat werden in Deutschland mehr als 15.000 Asylanträge gestellt, davon mehr als 4.000 von Menschen aus Syrien (Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge). Die Stadt Mannheim hilft derzeit der überlastenden Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Karlsruhe aus und nimmt zusätzliche Asylsuchende in der Unterkunft in der Industriestraße auf. Aktuell sind es rund 750 Menschen (Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung). Sie hocken in dem betonierten grauen Innenhof und warten darauf, dass es mit ihnen weitergeht – wie, wissen sie nicht. Viele Menschen machen sich Gedanken darüber, wie sie den Flüchtlingen helfen und ihre Integration unterstützen können. Ein besonderes Ergebnis dieses Engagements ist das Kulturkochbuch „Intecreative – Die Welt kocht im Quadrat“, auf das ich beim diesjährigen Nachtwandel im Jungbusch gestoßen bin.

Umschlag Intecreative

Copyright: Katja Lüttig, Ladenburg.

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Zu schön, um daran vorbeizulaufen: Wollkunst an der Kurpfalzbrücke

Wenn man an einem grauen Novembernachmittag unterwegs ist und einem auf einmal unerwartet fröhliche bunte Farben und Muster in den Blick fallen, muss man einfach innehalten und stehen bleiben. Das ist mir gestern passiert, als ich auf dem Heimweg aus der Stadt war. Die gesamte neckarabwärts gerichtete Seite der Kurpfalzbrücke war auf einmal eingehüllt von knallbunten, wollenen gehäkelten und gestrickten Kunstwerken.

Schmetterling

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Der wunderbare Wanderzirkus: Der Film zum 3000Grad-Festival

Eine meiner Lieblingsbands der letzten Jahre ist das Skazka Orchestra aus Berlin. Die russisch-deutsche Formation um die Gründer Artur Gorlatschov (Gitarre), Valentin Butt (Akkordeon) und Elena Shams (Schlagzeug) spielen einen wilden Mix aus Ska, Folk, Jazz, Funk und Techno, bei dem einfach niemand stillsitzen kann. Es ist ja immer ein kleines Phänomen, wenn Musiker, die ihre Texte nicht auf Deutsch oder Englisch verfassen, im deutschen Sprachraum erfolgreich sind. Skazka singen überwiegend auf Russisch und dieser Einschlag zeigt sich auch in den Märchenmotiven, die in ihren Titeln und Videos eine große Rolle spielen. Aus der Szene rund um Berlin sind die Skazkas jedenfalls nicht mehr wegzudenken. Und wenn man mal ein Konzert besucht, sei man vorgewarnt: Ehe man es sich versieht, ist die Nacht durchtanzt. Dabei sind die einzelnen Mitglieder nicht nur verrückte Spielkinder, sondern – sozusagen im Paralleluniversum – klassisch ausgebildete Musiker, die sich auch im Zusammenspiel mit den Berliner Philharmonikern oder der WDR Big Band sehen lassen können. Und so, wie sie sind, passen die mittlerweile fünf Köpfe von Skazka ganz wunderbar zum 3000Grad Festival, auf dem sie regelmäßig auftreten. Weiterlesen

Bye-bye, Summer: Volxtanz auf der Neumarktwiesn

Volxtanz

Traditionell wird in süddeutschen Gefilden der Sommer mit zahlreichen Feierlichkeiten wie Oktoberfesten, Kerwen und Weinfesten verabschiedet. Schunkelnde, alkoholisierte Menschenmassen – hm … Nicht viel weniger alkoholisierte Rentner auf Jazzwanderung im Weinberg – auch eher hm … Aber seit ich am letzten Wochenende auf der „Neumarktwiesn“ am „Zwischenraum“-Kiosk war, glaube ich ein bisschen besser zu verstehen, wobei es bei alldem eigentlich geht: um den Abschied vom Sommer, dieser schönsten Zeit des Jahres, wenn man den ganzen Tag so lange wie möglich draußen herumlungert, die Menschen freier und offener wirken und das Leben zu großen Teilen auf der Straße oder dem Platz stattfindet. Weiterlesen

Ein Teil von Hamburg: OZ. Ein Nachruf

OZ buntes Grafitti

„OZ Graffiti DSCF5689“ von Martina Nolte – Eigenes Werk. Quelle: Wikimedia Commons.*

Vor vielen Jahren habe ich mal eine Zeitlang in Hamburg gelebt, und ein bisschen hängt mein Herz immer noch an der Hansestadt mit ihrem rauen, nordischen Charme. Ein Teil „meines“ Hamburgs waren immer die Tags von OZ, einem der bekanntesten Sprayer, der sich kreuz und quer über die ganze Stadt verteilt verewigt hat. Wenn ich mit der S-Bahn oder mit dem Rad durch die Stadt fuhr, winkte mir das kleine, einfache und doch irgendwie schöne, unverwechselbare Kürzel von Hauswänden, Mauern oder Stromkästen zu. Manchmal war es eine ganze, beinahe dadaistisch anmutende Reihe. OZ OZ OZ OZ OZ OZ … Es war immer wie ein kleines, fröhliches Augenzwinkern, das mir sagte: Nimm alles nicht so ernst. Die Welt ist trotzdem bunt. Der Tag ist für mich und für viele andere untrennbar mit der Stadt Hamburg verwurzelt. Einfach nur ein Tag – was soll daran jetzt besonders sein? Nun, das Kürzel ist eben ein bisschen oder sogar viel mehr als das. Es ist ein Markenzeichen, das einfach überall ist, nicht wegzubekommen, und damit auch ziemlich viele Leute ziemlich geärgert hat. Irgendjemand will das gezählt haben und kommt auf mehr als 120.000 Wiederholungen in der ganzen Stadt. Weiterlesen