Tanz der Klänge und Worte: Mine in Mannheim

Ich habe einen Ohrwurm. Er heißt „Essig auf Zucker“ und befindet sich auf dem neuen Album „Das Ziel ist im Weg“ von Mine. Die Songwriterin aus Mainz kam zum Release auch wieder nach Mannheim. Und das war in mehrerer Hinsicht ein besonderer Abend, denn schließlich ist Mannheim so etwas wie eine der Heimatstädte von Mine, die hier an der Popakademie studiert hat. Außerdem hat sie für das hiesige Konzert die Gebärdensprachendolmetscherin Svenja Markert mitgebracht, die mit ihrer ausdrucksvollen Performance am Bühnenrand das Konzert auf wundervolle Weise begleitete. Weiterlesen

Winterliche Traumzeit auf dem Schauinsland: Die Holzskulpturen von Thomas Rees

In Freiburg ist es Frühling. Die Bäume blühen und beim Passieren der Plätze in der Innenstadt steigt die Versuchung, sich schon jetzt draußen vor einem Café an den Tisch zu setzen. Nur knapp zwanzig Minuten Autofahrt später befinden wir uns in einer anderen Jahreszeit. Der Schauinsland, der Freiburger Hausberg im Schwarzwald, ist tief verschneit. Die Skilifte sind gut gefüllt, auf den Pisten tummeln sich glückliche Wintersportler, auf dem Rodelhang ein paar hundert Meter weiter herrscht Hochbetrieb. Hält man sich an der Bergstation links, trifft man bald auf den Wanderweg zum Gipfel. Hier beginnt auch der Skulpturenpfad, der die Wanderer bis zum Schauinslandturm oben auf dem Berg begleitet. Zwei der größten und beeindruckendsten von ihnen stammen von dem Freiburger Künstler Thomas Rees.

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Vom dunklen Paradies zum Licht der Vernunft: Das mittelalterliche Klosterensemble in Maulbronn

Im Paradies ist es kalt und dunkel. An diesem Februartag sind wir fast alleine hier und gewinnen das Gefühl, in eine andere, ferne Welt einzutauchen. In dem riesigen Komplex des Klosters Maulbronn kann man sich verlieren, als bewege man sich in der Kulisse für Umberto Ecos „Der Name der Rose“, und tatsächlich wurden hier Teile der Romanverfilmung gedreht. Dem gerade verstorbenen großen Literaturwissenschaftler, Philosophen und Autor zu Ehren haben wir einmal diese Zeitreise unternommen und sogar am Ende ein paar Gedanken für die Gegenwart gewonnen. Die weitläufige Klosteranlage umfasst neben der Kirche mit Kreuzgang und Garten viele gut erhaltene Nebengebäude um einen weiten Platz und vermittelt eindrücklich die mittelalterlichen Gegebenheiten. Sie gilt als am vollständigsten erhaltene mittelalterliche Klosteranlage nördlich der Alpen und hat es so auf die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes geschafft.

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Von tanzenden Robotern und tanzenden Menschen. Ein Besuch im ZKM Karlsruhe

Was macht man an einem grauen, verregneten Feiertag, an dem der Schnee, der eigentlich da sein sollte, ausfällt und es draußen einfach keinen Spaß macht? Wir sind zum Tag der offenen Tür ins Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe gefahren. In dem riesigen ehemaligen Industrieareal, das seit über zwanzig Jahren Medienkunst präsentiert und fördert, haben wir mit Flüchtlingen getanzt, eigene Kunstwerke gestaltet und über neue Technologien gestaunt.

Das ZKM in Karlsruhe

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Von Mythen, Elementen und Kindern: Ein Besuch im Hans Arp Museum Rolandseck

Es ist der Tag nach den Anschlägen auf Paris, ein ungewöhnlich sonniger, warmer Herbsttag. Das Rheintal zeigt sich von seiner idyllischen Seite. Es ist friedlich hier, sauber, ruhig und schön. In unseren Hinterköpfen bleiben trotzdem die Nachrichten. Und dann dieser Satz, im Museumssaal hoch oben über dem Fluss: „Wir vergaßen auf Augenblicke die qualmende Sinnlosigkeit brütender Trümmerwelt des Krieges.“ Die Kunst hilft, die Realität zu bewältigen, davon war der Bildhauer, Maler und Dichter Hans Arp überzeugt. Und seine Realität war oft eine grausame, feindliche. Unter den Nationalsozialisten als „entarteter Künstler“ verfemt und verfolgt, lebte er viele Jahre heimatlos im Exil. Noch während des Krieges verlor er seine geliebte Frau Sophie Taeuber-Arp durch einen tragischen Unfall – ein Schock und ein Verlust, von dem er sich lange nicht erholte.

"Tanzgeschmeide" mit Blick auf den Rhein

„Tanzgeschmeide“ mit Blick auf den Rhein

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Stille und Sturm ‒ Der Bildband im „Auge der Zeit“ über die gefährdeten Sahara-Kulturen

Die Welt dreht sich im Moment mal wieder irre schnell, und man hat oft keine Vorstellung davon, wie es weitergehen wird. Was passiert da gerade – nun auf einmal auch nicht mehr nur weit entfernt, sondern direkt vor unserer Haustür? Hunderttausende fliehen, es ist eine riesige Völkerwanderung, der IS vernichtet wie eine stupide Maschinerie ein Kulturdenkmal nach dem anderen und auch die Kulturen selbst, das heißt: Menschen. Nordafrika und der Nahe Osten, an deren Konflikte und Diktaturen wir uns aus der Ferne gewöhnt hatten, versinken in einem immer größer scheinenden Chaosstrudel. Die Filmemacherin Désirée von Trotha ist seit vielen Jahren in der Sahara unterwegs, trifft die dort lebenden Nomaden und dokumentiert ihr Leben, ihre Kultur. Auch mit ihrem neuen Bildband „Im Auge der Zeit“, den sie zur Frankfurter Buchmesse vorstellt, will sie festhalten, was vielleicht nicht festzuhalten ist, gegen das Vergessen.

U1_ImAugeDerZeit

Copyright: Désirée von Trotha/Cindigo Verlag

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Finnischer Tango im Pfälzer Wald: „Bändi“ am Badehaisl

Und – bumm – da war er: der Herbst. Eben noch haben wir unter der Hitzewelle gepustet und uns gefragt, wie die Wohnung jemals wieder abkühlen sollte und man nachts wieder schlafen könnte. Eben noch haben wir am Abend barfuß mit einem Glas Wein vor der Ferienwohnung gesessen und auf das traumhafte Alpenpanorama geschaut. Eben noch haben die Kinder selbstvergessen am Bach neben dem Grillplatz gespielt. Eben noch haben wir unsere Runden durch das herrlich kühle Wasser des Bergsees gezogen. Und von einem Tag auf den anderen ist der Herbst da – Regen, Kühle, dunklere Abende und die andere Luft, trockene Blätter im Park. Einen letzten Hauch von Sommer oder zumindest Spätsommer sollte das Creole-Weltmusikwochenende nach Wachenheim an der Weinstraße bringen. Im Badehaisl am kleinen Teich unterhalb der Wachtenburg war das Wetter zwar gnädig, der Herbst aber schon ordentlich anwesend. Das wieder passte hervorragend zu „Bändi“, die uns mit finnischem Tango auf die Melancholie der kommenden Zeit einstimmten. Weiterlesen